Ostfriesenwitze gehören zu den beliebtesten Witzen über Bevölkerungsgruppen in Deutschland und folgen meist einem einfachen Frage-Antwort-Schema. Diese Witze richten sich an die im Nordwesten Deutschlands lebenden Ostfriesen, die als eigenartiges Volk dargestellt werden. Interessanterweise bleiben die Ostfriesen selbst bei diesen Witzen ruhig und entspannt. Was macht diese besondere Form des Humors so unterhaltsam? Im Grunde genommen liegt der Reiz in der simplen Struktur und den überraschenden Pointen. Insofern vergleichbar sind auch Holländer-Witze.
Die wiederholte Darstellung der Dummheit und Einfältigkeit der Ostfriesen, findet sich in der Form eigentlich nur noch bei Blondinenwitze wieder.
Klassische Ostfriesenwitze zum Totlachen
Die Sammlung klassischer Ostfriesenwitze bietet zahlreiche Beispiele, die seit Jahrzehnten für Lacher sorgen. Warum fliegen die Möwen in Ostfriesland auf dem Rücken? Na, die Vögel können das Elend unter sich nicht sehen.
Die Witze spielen häufig mit absurden Missverständnissen und dem Klischee, dass Ostfriesen nicht die Schlauesten sein: Ein Ostfriese fragt seinen Freund: „Glaubst du der Mond ist bewohnt?“ Die Antwort: „Na klar, da ober scheint doch Licht“.
Ebenso beliebt sind Witze über technische Fehlinterpretationen. Beispielsweise ertrank ein Ostfriese, als er sein Hausboot unterkellern wollte.
Besonders die Frage-Antwort-Witze haben Kultstatus erreicht. Warum haben Ostfriesen Stacheldraht um ihre Badewanne? Damit sie nicht so weit rausschwimmen. Oder: Was ist ostfriesischer Dreikampf? Lesen, Rechnen, Teebeutel-Weitwurf. Die Pointen basieren auf simplen Logikfehlern, die dennoch überraschend wirken. Ein Ostfriese zum Psychiater: „Herr Doktor, ich höre immer Stimmen, sehe aber keine Personen.“ Der Arzt fragt: „Wann haben sie das?“ Antwort: „Immer wenn ich telefoniere“. Zugegebenermaßen könnte dieser Wie auch gut als Arzt-Witz durchgehen.
Die Geschichte und Bedeutung der Ostfriesenwitze
Im Herbst 1968 reiste eine Schulklasse des Gymnasiums Westerstede nach Berlin. Drei Ostfriesen und fünf Oldenburger lagen in den Hochbetten einer Jugendherberge und hatten Schnaps auf ihr Zimmer geschmuggelt. Die Teenager klopften Sprüche gegeneinander, tranken bei jeder Stichelei einen Schluck und trieben die Witze auf die Spitze.
Borwin Bandelow, damals Schüler und später Neurologe, verwurstete diese Neckereien in der Schülerzeitung „Der Trompeter“ des Gymnasiums. Er betreute eine Rubrik namens „Aus Forschung und Lehre“, in der er den „Homo ostfrisiensis“ als Spezies von exemplarischer Begriffsstutzigkeit vorstellte. Diese harmlosen Pennälerblatt-Neckereien wurden zum Beginn einer Witzwelle, die Deutschland erfasste.
Von Flensburg bis Füssen lachten Bundesbürger über die Nordniedersachsen. Der SPIEGEL schrieb 1971 mitleidig über „die jüngsten Opfer des deutschen Humors“. Komiker wie Otto Waalkes und Karl Dall machten sich den Boom zunutze und begründeten eine eigene Sparte des Klamauks. Die Ostfriesenwitze folgten dem Bauplan der Polenwitze aus den USA der sechziger Jahre. Tatsächlich profitierten Ostfriesland und der Tourismus von der Bekanntheit. Die Ostfriesen selbst standen den Scherzen gelassen gegenüber.
Was macht einen guten Ostfriesenwitz aus?
Das Frage-Antwort-Schema bildet grundsätzlich das Fundament dieser Witzkategorie. Die Konstruktion folgt einem simplen Muster: eine direkte Frage, gefolgt von einer überraschenden Antwort. Wiard Raveling, Chronist der Ostfriesenwitze, beschreibt den Vorteil dieser Eingangsfrage präzise. Jedem wird sofort klar, dass ein Witz folgt. Kennt das Gegenüber die Antwort bereits, endet alles elegant ohne weitere Erklärungen.
Das Niveau liegt bewusst flach, wie jemand treffend bemerkte: weit unter dem Meeresspiegel. Diese Witze bedienen Klischees vom platten Land und behäbigen Menschen. Tatsächlich funktionieren viele Pointen durch wörtliches Nehmen von Redewendungen oder im übertragenen Sinne benutzten Worten. Dieser Wortwitz erzeugt absurde Situationen, die den Humor ausmachen.
Ostfriesenwitze gehören zur Kategorie der Dummenwitze, angesiedelt fernab städtischen Lebens an Küsten oder in Bergen. Das Schema übernahm Elemente aus Polenwitzen der USA der sechziger Jahre. Die Machart ist leicht durchschaubar, der Inhalt wurde nicht neu erfunden. Gleichzeitig arbeiten diese Scherze mit derart monströsen Übertreibungen, dass sich kein Ostfriese ernsthaft getroffen fühlen kann. Sie sind nicht böse gemeint, sondern als Neckereien zu verstehen.




